← zurück zum Kalender

Le Prophète
So, 26. Nov 2017, 17:00

Giacomo Meyerbeer (1791 – 1864)

Nach dem Welterfolg der HUGENOTTEN wandte sich Giacomo Meyerbeer auch bei seiner nächsten Grand Opéra dem Jahrhundert der Reformation zu: LE PROPHETE erzählt Entstehung und Untergang des Regimes, das die protestantische Sekte der Wiedertäufer 1535 im westfälischen Münster errichtete. Durch die Willkürherrschaft der katholischen Obrigkeit wird der Gastwirt Jean de Leyde dazu gebracht, sich an die Spitze dieser fundamentalistischen Gruppierung zu stellen. Bald jedoch muss er erkennen, dass die Revolutionäre ebenso korrupt sind wie die alten Machthaber. Schon bei der Uraufführung wurde LE PROPHETE jedoch auch als Kommentar zur Revolution von 1848 begriffen – und tatsächlich erscheint diese Geschichte über die Instrumentalisierung von Religion zur Errichtung eines „Gottesstaates“ heute genauso aktuell wie zu Lebzeiten Meyerbeers. Zugleich ist LE PROPHETE aber auch die psychologisch packende Geschichte einer Mutter-Sohn-Beziehung: Im Zentrum der Oper steht nicht Jeans Liebe zu seiner Verlobten Berthe, sondern die Auseinandersetzung mit seiner Mutter Fidés.

Für diese Produktion konnte mit Olivier Py einer der bedeutendsten Regisseure der Gegenwart gewonnen werden. Py, seit 2013 Leiter des Festivals von Avignon, gehört zu den wenigen Regisseuren, die international sowohl im Schauspiel wie in der Oper erfolgreich sind. Seine Produktion von Meyerbeers DIE HUGENOTTEN am Théatre La Monnaie Brüssel wurde 2011 von der Opernwelt zur Aufführung des Jahres gewählt.

Werkinfo:
Grand Opéra in fünf Akten
Libretto von Eugène Scribe und Émile Deschamps.
Uraufführung am 16. April 1849 in der Pariser Oper
Premiere in der revidierten Fassung der historisch-kritischen Edition an der Deutschen Oper Berlin am 26. November 2017