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LOCATION:Deutsche Oper Berlin\, Berlin
SUMMARY:Turandot
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DESCRIPTION:In seiner letzten\, unvollendet hinterlassenen Oper verarbeitet
 e Puccini die Ästhetik des neuen Massenmediums Film. Lorenzo Fioroni schl
 ägt in seiner Inszenierung eine Brücke vom unterdrückten\, aber auch se
 nsationslüsternen chinesischen Opernvolk zu den Konsumenten der modernen 
 Medienwelt … Dirigent: Daniel Carter\; Regie: Lorenzo Fioroni\; Mit Cath
 erine Foster\, Angelo Villari / SeokJong Baek\, Nina Solodovnikova / Maria
  Motolygina\, Michael Bachtadze\, Kangyoon Shine Lee\, Thomas Cilluffo u.a
 .\nZum StückEine Gesellschaft wird terrorisiert von einer Prinzessin. Tur
 andot\, schöne und faszinierende Repräsentantin eines ererbten Herrschaf
 ts-Systems\, führt das Schreckensritual aus. Ein Ende der Gewalt verspric
 ht allein ihre Verheiratung\, doch keinem der Kandidaten gelingt es\, die 
 Bedingung zu erfüllen und ihre Rätsel zu lösen. Immer wieder vollzieht 
 sich dasselbe Spektakel und endet mit einer neuen Hinrichtung. Calaf\, Soh
 n eines vertriebenen Machthabers aus fremdem Land\, durchbricht wider alle
  Erwartung dieses Schema. Er beantwortet die Fragen und steigert seinen Tr
 iumph\, indem er die Machtverhältnisse umkehrt\, das grausame Rätselspie
 l verlängert und der Prinzessin eine Gegenfrage stellt. Puccini will mit 
 Anfang sechzig noch einmal neue Wege gehen. Die Welt ist im Umbruch\, in d
 en Künsten vollzieht sich ein tiefgreifender Wandel\, neue\, abstraktere 
 Formen bieten sich zur Formulierung von Erfahrungen der Gegenwart an.\n\nZ
 ur Grundlage der Oper\, an der Puccini in seinen letzten vier Lebensjahren
  arbeitet\, wählte er mit TURANDOT einen Stoff\, der auf ein Märchenstü
 ck Carlo Gozzis [1762] zurückgeht. Trotz der exotischen Klänge seiner re
 ichsten und mit den härtesten Dissonanzen ausgestatteten Partitur entfalt
 et sich in TURANDOT nicht der Kosmos eines puppenhaft-niedlichen Chinas\, 
 sondern eine von der Atmosphäre unfassbarer Grausamkeit durchdrungene Wel
 t. Die Auflösung des Dramas wurde für Puccini zum unüberwindlichen Hind
 ernis. Ihm\, dem ein Happy End seiner Opern von jeher suspekt war\, gelang
  es nicht\, die Sackgasse zu verlassen\, in die ihn der Opfertod Liùs und
  die bevorstehende Zusammenführung Turandots und Calafs geführt hatte. D
 ie Frage\, auf welcher Grundlage diese beiden Gemeinsamkeit entwickeln kö
 nnten\, blieb unbeantwortet. Den Gedanken der alles umfassenden Liebe zum 
 jegliche Widerstände überwindenden Erlösungsinstrument zu ernennen\, fa
 szinierte und widerstrebte Puccini gleichzeitig zutiefst\, so dass er nich
 t in der Lage war\, diese Utopie darzustellen. Als er 1924 starb\, hinterl
 ieß er ein Fragment. Der Ricordi Verlag beauftragte den Komponisten Franc
 o Alfano damit\, die Oper nach Skizzen Puccinis zu ergänzen.\n\nZur Insze
 nierungDie Inszenierung von Lorenzo Fioroni zeigt die Geschichte in einem 
 märchenhaft-zeitlosen Phantasiestaat\, der dennoch Assoziationen an heuti
 ge Militärdiktaturen weckt. Die Szenen der Befragung und Hinrichtung nehm
 en hier eine Schlüsselrolle ein und beschwören eine rituelle\, ja beinah
 e heilige Funktion von Gewalt. Dem entgegengesetzt äußern Volk und Herrs
 cherkaste immer wieder den Wunsch nach einem Ende der Unterdrückung und e
 iner allumfassenden Aussöhnung. In diesem Spannungsfeld zwischen Herrscha
 ft durch Gewalt und Sehnsucht nach Liebe treffen Calaf und Turandot aufein
 ander. Doch statt einer Befriedung der gesellschaftlichen Zustände läute
 t das Paar im Finale eine neue Phase des Terrors ein.\n\nFioroni kehrt die
  psychische Konstitution der Hauptfiguren hervor und findet in beiden eine
 n ausgeprägten Hang zur Gewalt. Denn auch Calaf stammt aus einer despotis
 chen Herrscherfamilie und beweist mit dem Zulassen des Opfers von Liù die
  Bereitschaft\, für seinen Stolz und seine Ziele über Leichen zu gehen. 
 So wird der Bund\, den er mit Turandot schlussendlich eingeht\, durch eben
  jene gemeinsame Skrupellosigkeit plausibel. In der Folge äußert sich di
 e leidenschaftliche Liebe endlich ausgelebt nicht in einer Umkehr des kalt
 blütigen Systems\, sondern in der Verlängerung von Angst und Schrecken.
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