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Symposium: At the Crossroads!
Sun, 28. June 2020, 11:00

Oper inszenieren im 21. Jahrhundert

Symposium: At the Crossroads!
Symposium: At the Crossroads!
Symposium: At the Crossroads!
Symposium: At the Crossroads!

Das zweite Jahrzehnt des neuen Millenniums neigt sich dem Ende zu. Postmoderne
und Regietheater erscheinen inzwischen wie Begriffe aus einer anderen Epoche. Zeit für eine Neubestimmung. Was prägt die Inszenierungsästhetik heute? Was folgt auf die Regie und Aufführungspraktiken der 1990er und 2000er Jahre? Inwieweit haben neue Medien den Ort, an dem Opernaufführungen stattfinden, erweitert? Wie hat sich das Rezeptionsverhalten des Publikums verändert? Und lässt sich anhand dieser Entwicklungen womöglich etwas über unseren Zeitgeist aussagen?

Auf der Suche nach Antworten diskutieren internationale Expert*innen aus Philosophie, Theater-, Musik-, Film- und Literaturwissenschaft Regiearbeiten u. a. von Barrie Kosky, Kirill Serebrennikov und Richard Jones, untersuchen das Opernhaus als analogen wie digitalen Umschlagplatz unterschiedlicher Ästhetiken und zeigen dabei aktuelle Tendenzen anhand von Parametern wie »Narration«, »Umgang mit dem Material« und »Medialität« auf. Tag 1:
Schwerpunkt  »Material«
Freitag, 26. Juni 2020, 11 bis ca. 17 Uhr
Foyer der Komischen Oper Berlin

In den 1990er Jahren und bis in die 2000er Jahre hinein wurde viel und kontrovers über den richtigen Umgang mit dem überlieferten Aufführungsmaterial sowohl in der Opern- bzw. Inszenierungspraxis als auch in der wissenschaftlichen Reflexion diskutiert. Die diskursive Infragestellung bzw. Umdeutung von Begriffen wie »Werktreue« gingen einher mit inszenatorischen Strategien der Dekonstruktion oder der gezielten Hervorbringung von Reibungen zwischen (tendenziell historischer) Musik und (tendenziell zeitgenössischer) Szene. Heute scheinen diese Kämpfe ausgefochten und eine Bandbreite an unterschiedlichsten Verfahren im Umgang mit dem Material legitim zu sein. Ist die Opernpraxis also in der zweiten Dekade des neuen Millenniums im Vielklang verschiedener Stile und Verfahrensweisen angelangt? Wozu führt diese neu gewonnene Freiheit? Wie gehen Regisseur*innen und Dirigent*innen damit um? Welche anderen Materialien – Räume, Gegenstände, Traditionen etc. – spielen heute für Operninszenierungen eine Rolle?

Vorträge und Podiumsdiskussionen u. a. mit Gabriele Brandstetter (Freie Universität Berlin), Thomas Macho (Internationales Forschungszentrum Kulturwissenschaft in Wien) und Mary-Ann Smart (University of California, Berkeley)

Künstlerische Intervention von Johannes Müller und Philine Rinnert

Tag 2:
Schwerpunkt  »Narration«
Samstag, 27. Juni 2020, 11 bis ca. 17 Uhr
Foyer der Komischen Oper Berlin

Mit der Postmoderne wurde das Ende der großen Erzählungen verkündet. Resonanz fand dieser Befund in einer Theaterpraxis, die u. a. mithilfe von Brüchen, Dekonstruktionen und alternativen Narrationsauffassungen sogenannte postdramatische Aufführungen als Gegenentwurf zu linearen Erzählungen hervorbrachte – schienen diese doch die Erfahrung einer brüchigen Wirklichkeit am Ende des vergangenen Milleniums am ehesten zu spiegeln. Auch im Musiktheater ließen sich derlei Tendenzen beobachten. Doch u. a. der Erfolg der groß angelegten US-amerikanischen Serienerzählungen wirft die Frage auf, ob das verkündete Ende der Narration ein finales oder doch nur ein temporäres darstellte. Feiern Erzählungen nicht nur im Film und im Fernsehen, sondern auch in der Oper eine Renaissance? An welchen ästhetischen Strategien und Wahrnehmungen ließe sich das festmachen? Und lässt sich ein erweiterter Narrationsbegriff, wie er seit einigen Jahren in der Performance-Theorie und -Praxis diskutiert wird, auch für die Opernforschung fruchtbar machen?

Vorträge und Podiumsdiskussionen u. a. mit Sven Grampp (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg), Robert Sollich (Freie Universität Berlin), Julia Spinola (freie Journalistin) und Nina Tecklenburg (Bard College Berlin)

Künstlerische Intervention von Britt Hatzius

Tag 3:
Schwerpunkt »Publikum« und »Medialität«
Sonntag, 28. Juni 2020, 11 bis ca. 17 Uhr
Foyer der Komischen Oper Berlin

In den traditionellen ästhetischen Theorien wird dem Publikum als passiv rezipierende Masse meist eine geringe Bedeutung beigemessen. Für Kulturinstitutionen scheint es vornehmlich aus einer Marketing-Perspektive interessant zu sein. Zeit, sich nicht nur in den Marketing-Abteilungen, sondern auch aus wissenschaftlicher und künstlerischer Perspektive um das Publikum zu kümmern. Wie sieht das Opernpublikum von heute aus? Was treibt es an, in die Oper zu gehen? Wie äußert es sich heute? Sind die Saalschlachten vergangener Tagen mit heutigen Shitstorms vergleichbar? Gibt es heute überhaupt noch Skandale? Oder lassen die fehlenden Erwartungshaltungen keine mehr zu?

Die Oper versteht sich seit ihrer Entstehung als Ort der Aushandlung von Medialität und als Ort der unmittelbaren Mitteilung. Zur Ästhetik einer Inszenierung tragen verschiedenste Vermittlungsinstanzen bei (das Haus, an dem sie entsteht; Social Media etc.). Inwiefern schreiben sich die verschiedenen Medien und die Medialisierungsprozesse in die Ästhetik einer Inszenierung ein? Inwiefern ist das Haus heute als Crossroad unterschiedlicher medialer Tendenzen zu verstehen – und inwiefern wird es als solches durch die Wege des Internets durchkreuzt, überfahren, umgesetzt?

Vorträge und Podiumsdiskussionen u. a. mit Hedda Høgåsen-Hallesby (University of Oslo), Gertrud Koch (Freie Universität Berlin), Christopher Morris (National University of Ireland) und Nicholas Payne (Opera Europa, Brüssel)

Künstlerische Intervention von She She Pop Konzeption: Prof. Dr. Bettina Brandl-Risi und Prof. Dr. Clemens Risi (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg), Prof. Dr. David J. Levin (University of Chicago), Ulrich Lenz und Dr. Rainer Simon (Komische Oper Berlin)

Werkinfo:
Oper inszenieren im 21. Jahrhundert