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La traviata
Fr, 01. Jun 2018, 19:30

Melodramma in drei Akten von Giuseppe Verdi
Text von Francesco Maria Piave nach Alexandre Dumas’ »La dame aux camélias«

Die Kurtisane Violetta Valéry ist eine der begehrtesten Frauen von Paris und kostet das Leben in vollen Zügen aus. Niemand ahnt, dass sie an Tuberkulose erkrankt und dem Tod schon viel näher ist, als sie selbst es wahrhaben möchte. Mit dem naiven Romantiker Alfredo Germont, der nie geahnte Gefühle in ihr weckt, glaubt sie noch einmal ein neues Leben beginnen zu können. Doch die Beziehung beschädigt das Ansehen seiner Familie und Alfredos Vater fordert die Trennung des ungleichen Paares. Violetta, zunehmend von der Krankheit gezeichnet, verzichtet schließlich auf den Geliebten und spielt ihm vor, nun mit einem anderen, reichen Mann glücklich zu sein.


Ursprünglich hatte Giuseppe Verdi geplant, seine Opernadaption von Alexandre Dumas’ »La Dame aux camélias« unter dem Titel »Amore e morte« (»Liebe und Tod«) herauszubringen. Schon die ersten fiebrig zitternden Klänge der Geigen und die immer kurzatmiger werdenden Phrasen der ersten Takte klingen wie das Delirium einer Todkranken. Flüchtige Vergnügungen verbinden sich im weiteren Verlauf der Oper auch musikalisch mit der durch die Krankheit aufs Extremste gesteigerten Vergänglichkeit. Verdis nuancenreiche, klanglich fein gestaltete und zuweilen berauschende Partitur zeichnet das Porträt einer begehrten und doch verachteten Schönheit, die zusammen mit der oberflächlichen, egoistischen und scheinheiligen Gesellschaft rauschende Feste feiert und doch unendlich allein mit ihren Todesahnungen bleibt.

Werkinfo:
Ach, Sie kennen mich nicht? Seltsam. Violetta ist mein Name, Violetta Valéry! Für gewöhnlich nennt man mich jedoch »La traviata«, die »vom rechten Wege Abgewichene«. Auf der Opernbühne bin ich seit 1853 zu Hause. Vom berühmten Teatro La Fenice in Venedig aus habe ich die Welt erobert. Dabei war mir der Erfolg keineswegs in die Wiege gelegt worden: Die Uraufführung entwickelte sich zu einem wahren Fiasko, davon musste ich mich erst einmal erholen. Aber schließlich sollte meine Karriere eine glänzende werden, auch in Berlin. Zum ersten Mal erschien ich hier im Dezember 1860, auf der Bühne der Hofoper Unter den Linden. Verkörpert hat mich damals eine gewisse Signora Brunetti (gottlob hat sie nichts mit dem allseits bekannten venezianischen Commissario zu tun). Für die Aufführung ausgewählter Verdi-Opern war eigens ein italienisches Ensemble engagiert worden, so dass mir die wohlklingenden Originallaute in die Kehle gelegt wurden. In der Folgezeit hat man mich dann über viele Jahrzehnte hinweg in der weit weniger geschmeidigen Mundart der Germanen singen lassen, und verschiedentlich wurde auch der Titel meines Werkes in ein simples »Violetta« umgewandelt — um wie viel poetischer klingt dagegen doch »La traviata«! Berühmte Dirigenten haben sich der Partitur von Maestro Verdi angenommen, beispielsweise Erich Kleiber, der 1925 und 1930 zwei Premieren einstudiert und geleitet hat. Auch Johannes Schüler, Lovro von Matacic oder Heinz Fricke haben mir sehr kompetent einen Klangteppich ausgebreitet. 2003 hat dann Daniel Barenboim dirigiert — da erhielt ich dann auch meine naturgemäße italienische Zunge zurück. Jetzt wird er es noch einmal machen, bestimmt ganz anders, doch garantiert wieder mit Feuer und Flamme. Gestalt und Stimme haben mir bislang schon eine ganze Reihe von Primadonnen gegeben, unter ihnen Violetta de Strozzi, Gitta Alpár, Erna Berger, Melitta Muszely, Magdalena Hajossyova und Christine Schäfer. Auch die Liste der mich anhimmelnden Alfredos umfasst einige der besten Tenöre der Welt wie Richard Tauber, Helge Rosvaenge, Peter Anders, Reiner Goldberg oder Rolando Villazón. Auseinandersetzen musste ich mich mit Germont- Vätern, die zwar gemäß ihrer Rolle stur wie Stahl waren, aber wie Heinrich Schlusnus, Josef Metternich, Siegfried Lorenz oder Thomas Hampson über äußerst wohlklingende Baritonstimmen verfügten. Jetzt gibt es einen neuen Anlauf, es ist der insgesamt zehnte in der ebenso langen wie reichen Geschichte der Berliner Staatsoper: mit jungen Sängerinnen und Sängern — und zwei »Altmeistern« am Musik- und Regiepult.

Dauer:
Dauer ca. 2:10 h | ohne Pause