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Babylon
So, 24. Mär 2019, 18:00

Oper in sieben Bildern (2012/2019)

Musik von Jörg Widmann

Text von Peter Sloterdijk

Von den Grenzen der Sprache, vielmehr der Sprachverwirrung, handelt Jörg Widmanns »Babylon«. Der Komponist stellt hierin die multikulturelle Gesellschaft der vorantiken Hochkultur-Metropole ins Zentrum seiner Oper. Zwischen Chaos und Ordnung bewegen sich nicht nur die Babylonier, sondern auch der jüdische Tammu, der sich der babylonischen Priesterin des Krieges und der freien Liebe, Inanna, zuwendet und seine einstige Getreue, die Seele, verlässt. Als zur Besänftigung der Götter, welche die Menschen Babylons einst mit der Sintflut straften, ein Menschenopfer dargebracht werden soll, fällt die Wahl des Priesterkönigs auf Tammu. Nach der Hinrichtung Tammus beschließt Inanna, in die Unterwelt hinabzusteigen, um den dort herrschenden Tod zu überzeugen, ihren Geliebten in die Welt der Lebenden zurückkehren zu lassen. Schließlich wird ein neuer Vertrag zwischen den Göttern und den Menschen geschlossen und die Ordnung – zumindest vorläufig – wiederhergestellt.

Widmanns Partitur bildet ein klanglich-opulentes Kaleidoskop der heterogenen Gesellschaft Babylons, eine faszinierende Collage, in der unterschiedlichste Klangfarben, -Szenen und -Strukturen aufeinanderprallen. Hierbei werden zahlreiche Bezüge zur Musikgeschichte und zu bekannten Sujets hergestellt, u. a. zu Mozarts »Die Zauberflöte«. Eine Oper in Cinemascope, die nach ihrer Münchener Uraufführung 2012 nun in einer überarbeiteten Fassung auf die Bühne kommt.