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Oper in Berlin
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Don Giovanni

IL DISSOLUTO PUNITO OSSIA IL DON GIOVANNI
Sat | 16.10.10 | 19.00 h
Premiere
Dramma giocoso in two acts
Libretto by Lorenzo Da Ponte
First performed on 29th October, 1787 at Prague
Premiered at the Deutsche Oper Berlin on 16th October, 2010
Deutsche Oper Berlin
Audio / Video
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Press reviews

„Don Giovanni“ verwandelt sich in eine Oper voller Jugendfrische, der aggressiven Lebendigkeit, der körperfrohen Athletik. – Berliner Morgenpost, 18.10.2010

Das Spiel um den Don Juan der Opernbühne, den finsteren Verführer und Herzensbrecher Don Giovanni. Aus der Tiefe des nachtschwarzen vernebelten Bühnenraumes tritt er hervor, der Mozart’sche Titelheld. Oder besser gesagt: Sie treten hervor. Denn es gibt nicht nur einen, sondern viele Don Giovannis, die wie eine zombihafte Armada aus der Dunkelheit kommen. Regisseur Roland Schwab inszeniert seinen DON GIOVANNI als zig-fach gespiegeltes Sinnbild eines gespaltenen Ichs. Eine mystische Plakativität, ein pseudo-schizophrenes Horrorszenario, das einen anfangs zweifeln lässt, ob das gut zusammengeht mit dieser Oper, die Drama und Komik des Lebens mit tiefer Leichtigkeit vereint. Doch dann zieht einen diese Inszenierung immer mehr in den Bann. Schwabs DON GIOVANNI ist eine gewagte Mischung aus Psychodrama und Groteske, eine unendliche, permanente Höllenfahrt, anrührend und absurd, leidenschaftlich und auch mal lachhaft. Mit hemmungslosen Sinnbildern öffnet er den Weg auf surreale wie schräge Ebenen und kennt dabei keine Scheu vor nichts. Da dreht sich ein teuflisch rotes Karrussel, da öffnen sich Grüfte und Abgründe im Bühnenboden, laufen Models mit Gestängen als schöne Gehandycapte durch eine mit grauen Müllsäcken gefüllte Day-after-Szenerie. Da werden Türen zur Unterwelt wie Kreuze herumgetragen. Und wenn am Ende der Geist des von Don Giovanni ermordeten Vaters einer Verführten zum Essen erscheint, gerät das erst zum „Dinner for one“ und dann zum letzten Abendmahl mit den vielen Giovannis als Jünger Jesu. Das das letztlich so gut geht, liegt nicht nur daran, dass Timing und Pointen übereinstimmen, sondern auch, weil auf jeden Witz ein Stück Wahnsinn folgt. Weil Komik und abgrundtiefer Ernst nah beieinander liegen. – RBB, Inforadio, 18.10.2010

Es ist schon erstaunlich und verrät eine gründliche Beschäftigung mit dem Gegenstand, wie Schwab für all die bekannten und mit großen Erwartungen beladenen Situationen neue Bilder findet. Die Ermordung des Komturs ist eine lautlos disziplinierte Prügelorgie, bei der man nicht das Opfer, sondern nur die durch die Luft sausenden Golfschläger sieht, geführt von der Gruppe von Alter Egos Don Giovannis und Leporellos. Wenn im zweiten Akt die auf Rache an Don Giovanni sinnende Gesellschaft plötzlich im Giovanni-Kostüm den verkleideten Leporello entdeckt, ist dieser im Moment der Entdeckung auch schon wieder in sein eigenes Kostüm, einen merkwürdigen steifen Zwergenrock, abgetaucht. Die Friedhofsszene lässt Schwab, der generell nicht auf Üppigkeit der Dekoration setzt sondern viele freie Räume schafft, auf der Vorderbühne vor steingrauer kahler Wand spielen. Dabei ergibt sich der mit Publikumsapplaus bedachte Witz, dass die Inschrift auf dem Grab des Komturs einfach aus den projizierten Übertitelungen heraus auf Deutsch vorgelesen wird. Das Gastmahl für den steinernen Gast, um ein letztes Beispiel zu nennen, wird zwischen kannibalischem Exzess und komischem Zitat aus "Dinner for one" entwickelt, wobei Leporello als Diener nicht über ein Eisbärfell, sondern eine Frauenleiche stolpert. – Berliner Zeitung, 18.10.2010

Die Pluralität des Männlichen versus der Singularität des Weiblichen ist ein wichtiger und im Ansatz überzeugender Aspekt dieser Inszenierung von Roland Schwab. Schwab hat sich gefragt, wie ein moderner Don Giovanni für Berlin aussehen könne. Herausgekommen ist so etwas wie eine Logik des Leviathans. Die Stadt als Vernetzung von Schuld, Moral und Verantwortung. Alfred Döblin ("Berlin Alexanderplatz") lässt grüßen. – www.klassikcom, 18.10.2010

Regisseur Roland Schwab gelingt seine schlüssigste, radikalste und beste Arbeit. Das Freiheits-Fest ("Viva la liberta!") als Höllenparabel, der Friedhof als Zwiegespräch mit dem Publikum und das Essen am Ende als Leonardos Abendmahl mit Leporello als Freddie Frinton: Das sind Einfälle, die sich stimmig in ein Gesamtkonzept einfügen. – Die Welt, 18.10.2010

DON GIOVANNI wird von Roland Schwab, dem Regisseur, durchaus nicht auf die herkömmliche, sondern auf exemplarisch aufrüttelnde und wagelustig neudeutsche Weise in Szene gesetzt. Es lohnt wieder, in die Oper zu gehen. Dieser DON GIOVANNI versteht, wenn auch nicht immerfort zu entzücken, so doch auf die an- und aufregendste Art zu fesseln. Die Aufführung gleicht geradezu einer Abenteuerreise durch die Herkömmlichkeit und walzt sie mit einer Fülle von Eingebungen nieder. – Berliner Morgenpost, 18.10.2010

Dazu lieferte Piero Vinciguerra ein frappierendes Bühnenbild mit spannenden Lichteffekten und einer sich schnell erschließenden Farbsymbolik sowie unter der choreographischen Mitarbeit von Silke Sense eine ebenso frappierende Choreographie. So entstanden enorm ausdruckstarke, dramatische Bilder. Aber das Inszenierungsteam schien sich der Überfrachtung des Zuschauers mit Informationsreizen bewusst zu sein; bei allem Kopulieren, Masturbieren gab es immer meditative Momente der Stille, die in die Partitur eingeschoben wurden und zur Reflexion führten. – www.klassikcom, 18.10.2010

Die vielen bedeutungsschwangeren Kunstpausen, mit denen Roland Schwab die Rezitative durchlöchert wie einen Schweizer Käse, diese Minuten eines öden Stillstands, in denen dann auf der Bühne ja doch nichts passiert, was dem Werk irgendetwas hinzufügen würde, zerreißen immer wieder aufs Neue den von Mozart so ingeniös komponierten Zusammenhang einer Form, die ihre Gestalt aus Impulsen der Desintegration gewinnt. – FAZ, 18.10.2010

Die Musik wird in der atemlos intensiven Anfangsszene, nach der Ermordung des Komturs, plötzlich mit ihren chromatischen Seufzern abgeschnitten. Eine gefühlte Minute lang herrschen nur Stille und Bewegungslosigkeit auf der dunklen Bühne. Dieser Einschnitt ist ein starkes Zeichen für den Beginn des Countdowns bis zur Höllenfahrt, als den Schwab seinen dramaturgischen Zugriff zielsicher spannt. Solche Schnitte erscheinen im Verlauf des Abends immer wieder, dann aber stets in die Rezitative selbst verlagert, sie bestimmen geradezu den Rhythmus dieser Inszenierung. Dennoch zerfällt sie nicht. Aus der Erstarrung des Anfangs entwickelt sich in den Pausen das stumme Spiel, dessen pantomimisch-tänzerische Bewegungen die der Musik weiterführen, eine eigene Schicht des ironisch gebrochenen Kommentars bilden, ebenso wie das Gelächter, das hier als Grundton den Weg in die Hölle begleitet. – Berliner Zeitung, 18.10.2010

Die Besetzungskunst der Deutschen Oper hat es in den letzten Jahren fertiggebracht, runde Abende zustandezubringen. Marina Rebeka (Donna Anna) ist ein rasiermesserscharfer Rache-Engel, Yosep Kang ein anständiger Don Ottavio. Mezzostark meistert Ruxandra Donose die verschmähte Elvira. – Die Welt, 18.10.2010

Der größten Herausforderung für jede DON GIOVANNI-Inszenierung, wie nämlich die erotische Faszination dieser Figur glaubhaft und wirkungsmächtig auf die Bühne kommen soll, begegnet der Regisseur dadurch, dass er mit Ildebrando d'Arcangelo einen ebenso ansehnlichen wie stimmgewaltigen und das Exzessive glaubhaft artikulierenden Giovanni auf die Bühne stellt. Der Leporello von Alex Esposito ist ein Gesamtkunstwerk aus stimmlicher und körperlicher Beweglichkeit. Yosep Kangs Ottavio gibt sich überraschend heldenhaft, Ante Jerkunicas nicht nur in der Tiefe mächtiger sondern auch in der Höhe gut ansprechender Bass erzeugt in der Schlussszene als Steinerner Gast ungeheure Spannung. Mit frischen leichten Stimmen singen Martina Welschenbach und Krzysztof Szumanski das Bauernpaar. Die Elvira von Ruxandra Donose hat ihre großen stimmlich edlen Momente vor allem im zweiten Teil. Und Marina Rebeka als Donna Anna ist, wie es sein muss, das ausdrucksmäßige Herz dieser auch musikalisch geschlossenen und hochklassigen Aufführung. – Berliner Zeitung, 18.10.2010

Leporello singt und spielt der einzigartig schmale, leicht bewegliche Alex Esposito, ein Singkomödiant erster Klasse: ein Unterhaltungsfaktor auf Beinen. Man kann sich an seinen Sing-Capricen, seiner Darstellungslaune weder satt hören noch sehen … Als prachtvolle Sing-Partnerinnen stünden ihm dabei zur Verfügung: Marina Rebeka als Donna Anna, dahinklagend am Arm Yosep Kangs als Don Ottavio. Am glorreichsten von allen Damen sang Ruxandra Donose ihre Partie, die der viel gestraften und missbrauchten Donna Elvira, der wie zum gerechten Ausgleich Mozart die schönsten seiner Arien spendiert hat. Die dritte im Bunde, Zerlina, die traurige Hochzeiterin, sang unverzagt Martina Welschenbach anrührend heraus. – Berliner Morgenpost, 18.10.2010

Die Sänger waren sorgfältig nach Stimmcharakter, Physiognomie und darstellerischem Temperament ausgesucht. Ildebrando d'Arcangelos markantes Auftreten und sein geschmeidiger Bass fügten sich scheinbar von selbst in die Gestalt eines des Lebens überdrüssigen Mannes, der allein an der Perfektion seiner Menschenführung berauscht, aber auch dieser eigentlich schon überdrüssig ist. Überragend die Gestaltung des Leporello. Alex Esposito wieselte bewundernswert athletisch über die Bühne und ließ aus der Energie seines Gesangs immer wieder glaubhaft seine Gefühlslagen herausbrechen. Yosep Kang gab einen weichlichen Don Ottavio, dessen verstörte Kleinmütigkeit sich quasi wie von selbst aus dem dezenten Schöngesang erschloss. Die Frauengestalten lebten durch willensstarke musikdramatische Präsenz und vor allem durch enorm kluge Charakterisierung. Marina Rebeka verwirklicht sich in den großen Rezitativen und Arien, bei denen hinter allem Schöngesang der hinter der Musik steckende Ausdruckswillen erscheint. Ruxandra Donose liefert eine selbstbewusste und kluge Donna Elvira ab, die sich ihrer Bindung zu Don Giovanni bewusst ist und weiß, dass sie auch gerade dadurch verletzbar bleibt und ihre Gefühle nicht hinter einer faltenlosen Klanglichkeit der Stimmführung verstecken will. Martina Welschenbachs Zerlina strahlt jugendliche Frische aus. Sie hat von Don Giovanni gelernt, wie sie es in den sanften Beschichtungsgesängen für Masetto zeigt. Krysztof Szumanski (Masetto) und Ante Jerkunica (Komtur) konnten ebenfalls überzeugen. – www.klassikcom, 18.10.2010

Wenn Kirsten Harms am Ende der Saison als Intendantin der Deutschen Oper Berlin die Koffer packt, kann sie das Haus voraussichtlich blitzsauber übergeben. Die Auslastung hat sich unter ihrer Fuchtel gesteigert, die Einnahmen haben sich verdoppelt. Ein DON GIOVANNI als Repertoire-Joker geht auch aufs Konto eines aufgemöbelten Schaffensklimas. Dank Kirsten Harms. – Die Welt, 18.10.2010

In Gold prunkt das Programmbuch zur gerade begonnenen Saison, als goldener Faun verkleidet erscheint zur DON GIOVANNI-Premiere auch Wolfgang Joop, der schon als Model in wahren Kostümorgien die aktuellen Plakate der Deutschen Oper ziert und nun als Ehrengast neben der Intendantin Platz findet. Jetzt, wo sich das Berliner Opernleben plötzlich in Charlottenburg konzentriert, entwickelt die Bühne anscheinend etwas mehr Lust am Luxus. – Berliner Zeitung, 18.10.2010
 
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