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Cassandra / Elektra
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Mi | 22.09.10 | 19.00 Uhr Vittorio Gnecchi / Richard Strauss
Deutsche Oper Berlin
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Musikalische Leitung: Donald Runnicles
Inszenierung: Kirsten Harms
Bühne, Kostüme: Bernd Damovsky
Chöre: William Spaulding
Choreographie: Silvana Schröder
Cassandra
Oper in einem Akt von Vittorio Gnecchi
Libretto von Luigi Illica und Vittorio Gnecchi
Uraufführung am 5. Dezember 1905 in Bologna
Premiere an der Deutschen Oper Berlin am 3. November 2007
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Agamennone: Gaston Rivero
Clitennestra: Takesha Meshé Kizart
Cassandra: Julia Benzinger
Egisto: Markus Brück
Il prologo: Markus Brück (singt) / Nathan De’Shon Myers (spielt)
Una voce sola / Una vecchia: Katarina Bradic
Chor der Deutschen Oper Berlin, Orchester der Deutschen Oper Berlin, Opernballett der Deutschen Oper Berlin
Elektra
Tragödie in einem Aufzug von Richard Strauss
Text von Hugo von Hofmannsthal
Uraufführung am 25. Januar 1909 in Dresden
Premiere an der Deutschen Oper Berlin am 3. November 2007
In deutscher Sprache mit Übertiteln
Klytämnestra: Julia Juon
Elektra: Eva Johansson
Chrysothemis: Manuela Uhl
Aegisth: Burkhard Ulrich
Orest: Stephen Bronk
Der Pfleger des Orest: Jörn Schümann
Eine Vertraute: Hila Fahima
Ein junger Diener: Clemens Bieber
Ein alter Diener: Seth Carico
Eine Schleppträgerin: Anna Schoeck
Die Aufseherin: Stephanie Weiss
1. Magd: Katarina Bradic
2. Magd: Julia Benzinger
3. Magd: Ulrike Helzel
4. Magd: Fionnuala McCarthy
5. Magd: Martina Welschenbach
Orchester der Deutschen Oper Berlin, Opernballett der Deutschen Oper Berlin
3 Stunden 30 Minuten | Eine Pause
Mit Unterstützung des Förderkreises der Deutschen Oper Berlin e. V.
Der Fluch der Atriden
Atreus, König von Mykene, Sohn des Pelops, Enkel des Tantalos, Vater oder Großvater von Agamemnon und Menelaos, lag in unversöhnlicher Fehde mit seinem Bruder Thyestes. Er wie auch Thyestes waren bereits vom Vater Pelops verflucht worden wegen der Ermordung des gemeinsamen Halbbruders Chrysippos – und mit ihren Untaten zeugte sich der Fluch fort. Atreus servierte dem Thyestes dessen drei Söhne als Gastmahl. Anhand der abgetrennten Hände und Füße, die ihm später gereicht wurden, identifizierte Thyestes seine Kinder und zeugte in Verzweiflung mit der eigenen Tochter den Rächer in Gestalt des Aegisth. Kurz nach der Geburt ausgesetzt, wurde Aegisth an den Hof des Atreus gebracht und aufgezogen. Als des Atreus’ Söhne Agamemnon und Menelaos Thyestes aufspürten und in den Kerker des Vaters warfen, sollte ihn der junge Aegisth töten. Stattdessen erschlug er Atreus, während dieser am Strand ein Dankopfer für die vermeintliche Ermordung des Bruders brachte.
Der Fluch setzt sich fort: Als Agamemnons Schwägerin Helena, sowohl Gattin seines Bruders als auch Schwester seiner Frau Klytämnestra, von Paris nach Troja entführt wird, beschließen die Könige Griechenlands unter Agamemnons Führung den Rachefeldzug. Um von den Göttern günstigen Fahrtwind für die Überfahrt nach Kleinasien zu erflehen, opfert Agamemnon die erste gemeinsame Tochter mit Klytämnestra, Iphigenie, Schwester von Elektra, Chrysothemis und Orest. Die Mutter beschließt die Rache. CASSANDRA erzählt die unmittelbare Vorgeschichte von ELEKTRA. Hier steht Elektras Mutter Klytämnestra im Mittelpunkt, die sich wegen der Tötung Iphigenies an ihrem Ehemann Agamemnon rächen will.
Als Kriegsbeute aus Troja bringt Agamemnon Kassandra mit, die mit seherischen Gaben versehene Tochter des trojanischen Königs Priamos. Sie war von Apollon, der sie unerwidert liebte, dazu verdammt worden, stets alles wahrheitsgemäß zu prophezeien, doch niemals Glauben geschenkt zu bekommen. So auch hier, wo sie den Tod des Agamemnon weissagt, der in der Tat von Klytämnestra und ihrem Geliebten Aegisth im Bade erschlagen wird.
Und wie von Kassandra prognostiziert, werden auch diese Mörder gemordet – Jahre später von Klytämnestras eigenem Sohn, Orest, angefeuert von der Tochter Elektra, die im hingeschlachteten Vater etwas anderes gesehen hat als das fluchbeladene Monstrum, als das die griechische Mythologie ihn ausweist.
Vittorio Gnecchis 1905 in Bologna unter der musikalischen Leitung von Arturo Toscanini uraufgeführte CASSANDRA und Richard Strauss’ vier Jahre jüngere ELEKTRA ergänzen sich nicht nur, was die Handlungsstränge hinsichtlich des Fluches der Atriden anbelangt. Kurz nach der Uraufführung der ELEKTRA erschien in Italien ein Aufsatz unter dem Titel Telepatia musicale? [Musikalische Telepathie?], dessen Autor Giovanni Tebaldini mit Hilfe von Notentafeln nachzuweisen versuchte, dass Richard Strauss, dem die CASSANDRA bekannt war, musikalisch-thematisch auf Gnecchi zurückgegriffen habe. Die heutige Forschung stuft diese Frage freilich mit Recht als zweitrangig ein. Dessen ungeachtet bleibt es reizvoll, diese beiden stofflich [und musikalisch] zusammenhängenden Werke miteinander zu verknüpfen.
Aus: Johann Wolfgang von Goethe, IPHIGENIE AUF TAURIS
Am Tage, da der Vater fiel, verbarg
Elektra rettend ihren Bruder: Strophius,
Des Vaters Schwäher, nahm ihn willig auf,
Erzog ihn neben seinem eignen Sohne,
Der, Pylades genannt, die schönsten Bande
Der Freundschaft um den Angekommnen knüpfte.
Und wie sie wuchsen, wuchs in ihrer Seele
Die brennende Begier, des Königs Tod
Zu rächen. Unversehen, fremd gekleidet,
Erreichen sie Mycen, als brächten sie
Die Trauernachricht von Orestens Tode
Mit seiner Asche. Wohl empfänget sie
Die Königin; sie treten in das Haus.
Elektren gibt Orest sich zu erkennen;
Sie bläst der Rache Feuer in ihm auf,
Das vor der Mutter heil'ger Gegenwart
In sich zurückgebrannt war. Stille führt
Sie ihn zum Orte, wo sein Vater fiel,
Wo eine alte leichte Spur des frech
Vergoßnen Blutes oftgewaschnen Boden
Mit blassen ahndungsvollen Streifen färbte.
Mit ihrer Feuerzunge schilderte
Sie jeden Umstand der verruchten Tat,
Ihr knechtisch elend durchgebrachtes Leben,
Den Übermut der glücklichen Verräter
Und die Gefahren, die nun der Geschwister
Von einer stiefgewordnen Mutter warteten. –
Hier drang sie jenen alten Dolch ihm auf,
Der schon in Tantals Hause grimmig wütete,
Und Klytämnestra fiel durch Sohnes Hand.
Atreus, König von Mykene, Sohn des Pelops, Enkel des Tantalos, Vater oder Großvater von Agamemnon und Menelaos, lag in unversöhnlicher Fehde mit seinem Bruder Thyestes. Er wie auch Thyestes waren bereits vom Vater Pelops verflucht worden wegen der Ermordung des gemeinsamen Halbbruders Chrysippos – und mit ihren Untaten zeugte sich der Fluch fort. Atreus servierte dem Thyestes dessen drei Söhne als Gastmahl. Anhand der abgetrennten Hände und Füße, die ihm später gereicht wurden, identifizierte Thyestes seine Kinder und zeugte in Verzweiflung mit der eigenen Tochter den Rächer in Gestalt des Aegisth. Kurz nach der Geburt ausgesetzt, wurde Aegisth an den Hof des Atreus gebracht und aufgezogen. Als des Atreus’ Söhne Agamemnon und Menelaos Thyestes aufspürten und in den Kerker des Vaters warfen, sollte ihn der junge Aegisth töten. Stattdessen erschlug er Atreus, während dieser am Strand ein Dankopfer für die vermeintliche Ermordung des Bruders brachte.
Der Fluch setzt sich fort: Als Agamemnons Schwägerin Helena, sowohl Gattin seines Bruders als auch Schwester seiner Frau Klytämnestra, von Paris nach Troja entführt wird, beschließen die Könige Griechenlands unter Agamemnons Führung den Rachefeldzug. Um von den Göttern günstigen Fahrtwind für die Überfahrt nach Kleinasien zu erflehen, opfert Agamemnon die erste gemeinsame Tochter mit Klytämnestra, Iphigenie, Schwester von Elektra, Chrysothemis und Orest. Die Mutter beschließt die Rache. CASSANDRA erzählt die unmittelbare Vorgeschichte von ELEKTRA. Hier steht Elektras Mutter Klytämnestra im Mittelpunkt, die sich wegen der Tötung Iphigenies an ihrem Ehemann Agamemnon rächen will.
Als Kriegsbeute aus Troja bringt Agamemnon Kassandra mit, die mit seherischen Gaben versehene Tochter des trojanischen Königs Priamos. Sie war von Apollon, der sie unerwidert liebte, dazu verdammt worden, stets alles wahrheitsgemäß zu prophezeien, doch niemals Glauben geschenkt zu bekommen. So auch hier, wo sie den Tod des Agamemnon weissagt, der in der Tat von Klytämnestra und ihrem Geliebten Aegisth im Bade erschlagen wird.
Und wie von Kassandra prognostiziert, werden auch diese Mörder gemordet – Jahre später von Klytämnestras eigenem Sohn, Orest, angefeuert von der Tochter Elektra, die im hingeschlachteten Vater etwas anderes gesehen hat als das fluchbeladene Monstrum, als das die griechische Mythologie ihn ausweist.
Vittorio Gnecchis 1905 in Bologna unter der musikalischen Leitung von Arturo Toscanini uraufgeführte CASSANDRA und Richard Strauss’ vier Jahre jüngere ELEKTRA ergänzen sich nicht nur, was die Handlungsstränge hinsichtlich des Fluches der Atriden anbelangt. Kurz nach der Uraufführung der ELEKTRA erschien in Italien ein Aufsatz unter dem Titel Telepatia musicale? [Musikalische Telepathie?], dessen Autor Giovanni Tebaldini mit Hilfe von Notentafeln nachzuweisen versuchte, dass Richard Strauss, dem die CASSANDRA bekannt war, musikalisch-thematisch auf Gnecchi zurückgegriffen habe. Die heutige Forschung stuft diese Frage freilich mit Recht als zweitrangig ein. Dessen ungeachtet bleibt es reizvoll, diese beiden stofflich [und musikalisch] zusammenhängenden Werke miteinander zu verknüpfen.
Aus: Johann Wolfgang von Goethe, IPHIGENIE AUF TAURIS
Am Tage, da der Vater fiel, verbarg
Elektra rettend ihren Bruder: Strophius,
Des Vaters Schwäher, nahm ihn willig auf,
Erzog ihn neben seinem eignen Sohne,
Der, Pylades genannt, die schönsten Bande
Der Freundschaft um den Angekommnen knüpfte.
Und wie sie wuchsen, wuchs in ihrer Seele
Die brennende Begier, des Königs Tod
Zu rächen. Unversehen, fremd gekleidet,
Erreichen sie Mycen, als brächten sie
Die Trauernachricht von Orestens Tode
Mit seiner Asche. Wohl empfänget sie
Die Königin; sie treten in das Haus.
Elektren gibt Orest sich zu erkennen;
Sie bläst der Rache Feuer in ihm auf,
Das vor der Mutter heil'ger Gegenwart
In sich zurückgebrannt war. Stille führt
Sie ihn zum Orte, wo sein Vater fiel,
Wo eine alte leichte Spur des frech
Vergoßnen Blutes oftgewaschnen Boden
Mit blassen ahndungsvollen Streifen färbte.
Mit ihrer Feuerzunge schilderte
Sie jeden Umstand der verruchten Tat,
Ihr knechtisch elend durchgebrachtes Leben,
Den Übermut der glücklichen Verräter
Und die Gefahren, die nun der Geschwister
Von einer stiefgewordnen Mutter warteten. –
Hier drang sie jenen alten Dolch ihm auf,
Der schon in Tantals Hause grimmig wütete,
Und Klytämnestra fiel durch Sohnes Hand.
