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Oper in Berlin

Pelleas und Melisande

Pelléas et Mélisande
So | 12.09.10 | 19.30 Uhr
Wiederaufnahme
Drame lyrique in 5 Akten und 12 Bildern
Libretto von Maurice Maeterlinck
Uraufführung am 30. April 1902 in Paris
Premiere an der Deutschen Oper Berlin am 10. Oktober 2004
Deutsche Oper Berlin
Audio / Video
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Musikalische Leitung: Donald Runnicles
Inszenierung, Bühne, Licht: Marco Arturo Marelli
Kostüme: Dagmar Niefind
Chöre: Thomas Richter
Arkel: Stephen Bronk
Geneviève: Liane Keegan
Pelléas: Will Hartmann
Golaud: Laurent Naouri
Mélisande: Jana Kurucová
Yniold: Rinnat Moriah
Ein Arzt: Krzysztof Szumanski
Chor der Deutschen Oper Berlin, Orchester der Deutschen Oper Berlin
12. | 18. | 24. September 2010

In französischer Sprache mit deutschen Übertiteln

3 Stunden 15 Minuten | Eine Pause
Claude Debussy [1862–1918] stammte aus St.-Germain-en-Laye, studierte am Pariser Konservatorium und ging 1884, mit dem Rom-Preis ausgezeichnet, nach Italien. Seit 1888 lebte er wieder in Paris, im engen Kontakt mit den intellektuellen Strömungen seiner Zeit, aber als Künstler eigensinnig und kritisch, und griff vielfach streitbar in die musikalische Diskussion seiner Zeit ein. Sein Schaffen umfasst hauptsächlich Orchesterwerke und Klaviermusik, für die Bühne schrieb er die Oper RODRIGUE UND CHIMENE [Fragment, 1892], die Bühnenmusik zu Gabriele d’Annunzios Mysterium DAS MARTYRIUM DES HEILIGEN SEBASTIAN [1911] und vor allem PELLEAS ET MELISANDE.

Diese Oper ist sein Hauptwerk und machte Debussy zum Wegbereiter eines modernen Musiktheaters. Das Stück entstand in den 1890er Jahren auf der Grundlage des gleichnamigen Dramas seines Zeitgenossen, des symbolistischen Dichters Maurice Maeterlinck. Mit diesem belgischen Künstler, einem großen Mystiker und Philosophen [Nobelpreis 1911], fühlte sich Debussy eng verbunden darin, dass der Seelenraum des Menschen, der letztlich in der allumfassenden Natur beheimatet ist, in den Kunstwerken wieder neu erschlossen werden sollte.

Außerdem war Debussy bei der Entstehung seiner Oper, die ihn über die Erstfassung der Partitur 1895 hinaus noch viele Jahre beschäftigte und die musikalisch und theatralisch völlig neue Wege »ausformt«, maßgeblich von den Ideen des großen französischen Dichters Mallarmé beeinflusst. Dessen ästhetisches Konzept verlieh der Kunst Ende des 19. Jahrhunderts neue gesellschaftskritische Impulse: der Kunst fiele vor allem die Aufgabe zu, dem Menschen hohe ethische Ideen und eine in der Natur begründete Lebensorientierung zurückzugeben.

PELLEAS ET MELISANDE ist ein vielschichtiges Werk. Im Zentrum steht die Familiengeschichte des Hauses Allemonde [das ist: allerorten] im Moment ihres Untergangs. Die Angehörigen von vier Generationen sind eng verknüpft mit Krankheit, Tod und Stillstand. An die fremde Mélisande, die einheiratet, knüpft sich aller Hoffnung. Aber die Brüder Golaud und Pelléas verstricken sich beide durch die Liebe zu der Frau, die zwischen ihnen steht und unglücklich ist. Der Dreieckskonflikt, den der alte König Arkel unfähig ist aufzulösen, entlädt sich in brutaler Gewalt gegen die schwangere Mélisande, kulminiert im Brudermord und führt zur Auslöschung des Hauses Allemonde.

Debussy beschreibt musikalisch mit der zentralen Metapher des Meeres und mit dessen verschiedenen elementaren Bewegungen die seelischen Zustände und Konflikte dieser Menschen und erfindet dafür als dramaturgisches Prinzip die Verschlingung von Licht und Dunkelheit. Die Musik beleuchtet das selbstzerstörerische Gewaltpotential in den Seelen und in der Familienstruktur, schafft aber auch ein ergreifendes und modernes Bild für die große poetische Liebe zwischen Pelléas und Mélisande.

Debussy selbst sagte zur Wahl seines Stoffes: »Das Pelléas-Drama, das trotz seiner traumhaften Atmosphäre bei weitem mehr Menschlichkeit enthält als all die sogenannten ›lebensechten Stoffe‹, schien mir auf wunderbare Weise dem zu entsprechen, was ich wollte. Es herrschte eine zauberisch beschwörende Sprache, deren sensible Nuancen ihre Weiterführung in der Musik und im orchestralen Klangkolorit finden konnten.« Nach der Uraufführung äußerte er rückblickend: »Ich wünschte der Musik eine Freiheit, die ihr vielleicht mehr als einer anderen Kunst gemäß ist, da sie auf die geheimnisvollen Beziehungen zwischen der Natur und der Fantasie zielt.«

Allemonde ist ein Ort von heute, ein Ort in uns, in der Realität. Zugleich hat Debussy eine Oper geschaffen, die Allemonde als Bild unserer Seele und diese als Abbild des Kosmischen erfahrbar macht – mit gewaltigen elementaren Kräften und auch der Chance zu einer glücklichen Entfaltung hin.

Es gibt wohl keine Szene in dieser Oper, in der nicht von Wasser gesprochen wird, und so wurde das Wasser zum bestimmenden Element in dieser Inszenierung. Marelli erzählt im Bild eines von Wasser überschwemmten Fluchtraums auf realistische Weise zum einen die Geschichte der Figuren, die darin überleben; auch aber ist das Wasser ein Bild für verborgene innere Zustände.
 
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