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Oper in Berlin

Oberst Chabert

Fr | 26.03.10 | 19.30 Uhr
Premiere
Musiktragödie in drei Aufzügen frei nach Honoré de Balzacs Comtesse à deux maris
Libretto von Hermann Wolfgang von Waltershausen
Uraufführung am 18. Januar 1912 in Frankfurt am Main
Konzertante Premiere an der Deutschen Oper Berlin 26. März 2010
Deutsche Oper Berlin
Audio / Video
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Musikalische Leitung: Jacques Lacombe
Szenische Einrichtung: Bernd Damovsky
Dramaturgie: Andreas K. W. Meyer
Graf Chabert: Bo Skovhus
Graf Ferraud: Raymond Very
Rosine: Manuela Uhl
Derville: Simon Pauly
Godeschal: Stephen Bronk
Boucard: Paul Kaufmann
Orchester der Deutschen Oper Berlin
26. | 28. März 2010

In deutscher Sprache mit Übertiteln

1 Stunde 45 Minuten | Keine Pause

Im Anschluss an die Premiere findet eine Premierenfeier statt! Sie sind herzlich eingeladen, mit dem Ensemble der Deutschen Oper Berlin zu feiern!


»Oper in deutschen Ländern« - Die Premiere von OBERST CHABERT wird von Deutschlandradio Kultur aufgezeichnet und wird am 17.04.2010 ab 19:05 Uhr gesendet. In Berlin auf UKW 89,6. Weitere Informationen im Hörerservice 0221-345 1831 oder www.dradio.de
»Von Waltershausens Oper OBERST CHABERT wurde heute abend erstmals in England an Covent Garden gespielt. Alles verlief reibungslos und wurde begeistert, wo nicht enthusiastisch vom sehr zahlreichen Publikum aufgenommen. – Die Kritiken bewillkommnen das Stück als aufrichtig und gekonnt mit Augenblicken starker Gefühle …« Diese Meldung war am 25. April 1913 in der New York Times zu lesen, bereits einen Tag nach der so erfolgreichen Premiere von Hermann Wolfgang von Waltershausens Oper OBERST CHABERT am Royal Opera House Covent Garden.

Nach der Uraufführung am 18. Januar 1912 trat die Musiktragödie einen für einen deutschen Komponisten dieser Jahre jenseits von Richard Strauss selten dagewesenen Siegeszug an. Innerhalb kürzester Zeit war die Oper in München, Laibach, Straßburg, Stockholm, Wien, Basel, Brünn, Budapest, London, Prag und Riga zu sehen – und auch in Berlin hatte man bereits im Uraufführungsjahr 1912 die Gelegenheit, an der Kurfürstenoper in der [heutigen] Budapester Straße das Stück kennenzulernen.

La Transaction, Le Comte Chabert, La Comtesse à deux maris, Le Colonel Chabert: Unter vier verschiedenen Titeln erschien Honoré de Balzacs hochemotionaler und zutiefst erschütternder Roman um den vermeintlich von den Toten auferstandenen napoleonischen Oberst Chabert, der nach vielen Jahren der Verschollenheit wieder Zutritt zu seinem wirklichen Leben begehrt. Waltershausen, als Komponist gleichermaßen versiert wie als Schriftsteller, erkannte die dramatischen Qualitäten dieses Stoffes und schrieb auf ein eigenes Libretto, einen der wichtigsten Beiträge zum musikalischen Realismus in Deutschland.

Seine Musik erreichte sofort ihr Publikum, Waltershausen war über Nacht ein gefragter Komponist, der freilich aufgrund seiner vielfältigen Begabungen ein nur vergleichsweise kleines Gesamtwerk hinterlassen hat. Seine Schriften, darunter die vierbändige Musikalische Stillehre in Einzeldarstellungen oder das Handbuch Dirigentenerziehung, bezeugen neben einem Gedichtband oder acht unveröffentlichten Schauspielen die zweite Seite seiner Fähigkeiten, zu denen darüber hinaus noch stupende pianistische Begabung und ein pädagogisches Spezialtalent gehörten.

Obwohl eindeutig konservativer Gesinnung und in seinem Urteil oftmals Tendenzen der politisch Rechten durchaus nahe, wurde Hermann von Waltershausen 1933 von den Nazis aus seinem Amt als Direktor der Münchner Akademie der Tonkunst gejagt und schlug sich fortan als Leiter seines privat gegründeten Praktischen Seminars für Musikstudierende durch, dem er noch ein Seminar für Privatmusiklehrer anschloss. Ab Mitte der dreißiger Jahre komponierte Walterhausen gar nicht mehr, obwohl er noch knapp zwanzig Jahre zu leben hatte, und er versuchte auch nicht, Aufführungen seiner Werke zu befördern.

Letztmals im Opernhaus an der Bismarckstraße war OBERST CHABERT ausgerechnet 1933 zu sehen. Am 4. März, drei Tage nach Amtsantritt des neuen linientreuen Intendanten Max von Schillings, feierte die einst so erfolgreiche Oper eines Unangepassten letztmals Premiere an einem großen Haus. Obwohl weder »rassisch« noch politisch verfolgt und nicht mit einem Berufsverbot belegt, endete letztlich auch der Karriereweg des Hermann Wolfgang von Waltershausen und seiner großen Heimkehreroper mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten.

»Guten Tag, Oberst Chabert!« sagte Derville. »Nicht Chabert! Nicht Chabert! Ich heiße Hyazinth. Ich bin kein Mensch mehr, ich bin die Nummer einhundertvierundsechzig, siebenter Saal«, fügte er hinzu, indem er Derville angstvoll und mit der Furcht eines kindisch gewordenen Greises ansah. »Sie wollen wohl den zum Tode Verurteilten sehen?« fragte er nach einem Augenblick des Schweigens. »Der ist nicht verheiratet. Der ist glücklich!« »Der Arme!« sagte Godeschal. »Wollen Sie Geld, um sich Tabak zu kaufen?« Mit aller Naivität eines Pariser Schlingels streckte der Oberst jedem der beiden Unbekannten gierig die Hand hin. Sie gaben ihm ein Zwanzigfrankenstück; stumpfen Blickes dankte er und sagte: »Brave Kerle!«Dann warf er sich wie mit geschultertem Gewehr in Positur, legte an und rief lächelnd: »Feuer aus beiden Geschützen! Es lebe Napoleon!« Und er beschrieb mit dem Stock eine phantastische Arabeske in der Luft. [Honoré de Balzac]
 
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